Konfliktmoderation mit Liberating Structures
Die Ausgangslage
What?
Vor ein paar Monaten, als ich noch relativ frisch in meiner derzeitigen Anstellung war, wurde ich kurzfristig gebeten, eine Konfliktmoderation zwischen zwei Personen durchzuführen. Mir blieb nicht viel Vorbereitungszeit und ich hatte auch noch kein breites Erfahrungsspektrum aus meiner bisherigen Berufspraxis, auf welches ich hätte zurückgreifen können. Ich besann mich auf die in dieser Situation wichtigen Kerngedanken: Fakten von Emotionen trennen, aktives Zuhören, Emphatie und Kompromisse aushandeln.
So What?
Kurze Zeit vorher habe ich gerade eine Retrospektive mit „What? So What? Now What?“ aus dem Repertoir der Liberating Structures durchgeführt, welche genau die o.g. Voraussetzungen adressieren. Ich dachte mir, was in einer Gruppe funktioniert, kann sich auch zur Strukturierung einer Konfliktmoderation eignen.
Now What?
Da ich nicht viel Zeit hatte, mögliche Alternativen zu suchen, bin ich mit ein paar Einstiegsfragen und einem möglichen Ablaufplan für das Gespräch in den Termin gegangen.
Die Moderation
What?
Ich habe beide Teilnehmer zuerst die konfliktbehaftete Situation sachlich aus ihrer jeweiligen Sicht beschreiben lassen. Der jeweils andere musste zuhören. Als Moderator übernahm ich den Hauptanteil daran, Emphatie zu zeigen, mit Verständnisfragen aktives Zuhören zu ermöglichen und Missverständnisse transparent zu machen.
So What?
Als nächstes Habe ich beide Gesprächsteilnehmer gebeten, zu schildern wie sie sich in der Konfliktsituation gefühlt haben und welches Verhalten sie sich von dem jeweils anderen gewünscht hätten. Auch hier halfen konkrete Verständnisfragen zum aktiven Zuhören dabei, ein gewisses Verständnis auf der jeweils anderen Seite zu ermöglichen.
Now What?
Nachdem wir nun die Sachlage und die Gefühlslage ausgelotet hatten, war es möglich, gemeinsame Vereinbarungen für eine zukünftige Zusammenarbeit zu erörtern. Die Gesprächspartner sind am Ende mit einer Hand voll Absprachen aus dem Gespräch gegangen, die ihnen ihre weitere Zusammenarbeit erleichtern werden.
Die Retrospektive
What?
Die Konfliktmoderation hat mir gezeigt, dass Liberating Structures wie „What? So What? Now What?“ auch sehr gut im Dialog und als Moderationstechniken in Kleingruppen funktionieren können.
Auch in der Vorbereitung der Moderation war es hilfreich, sich an der Reihenfolge Datensammlung -> Schlussfolgerung -> Maßnahme zu orientieren.
So What?
Ich habe mich sehr gefreut, dass das Gespräch so verlaufen ist, wie ich es mir erhofft hatte. Außerdem hat mir die Situation gezeigt, dass ich mich auf meine Intuition verlassen kann, der erste Gedanke meist der Beste ist und sich Mut auszahlt.
Zu dem habe ich gelernt, dass ich doch ganz gut improvisieren kann und man Liberating Structures auch erfolgreich anwenden kann, ohne dass man in der Vorbereitung viel Zeit in die Einladung sowie den Aufbau eines Strings (Abfolge mehrerer Liberating Structures hintereinander) investieren muss.
Now What?
Folgende Maßnahmen habe ich für mich aus dieser Erfahrung abgeleitet:
- Sei noch mutiger!
- Liberating Structures funktionieren einfach!
- Ich möchte meine Routine mit Liberating Structures kontinuierlich verbessern, so dass ich auch spontan aus einem möglichst großen Methodenrepertoire schöpfen kann.
- „What? So What? Now What?“ auch im Einzelcoaching einsetzen.